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Genealogie:
Regent:
Wolrad II. - Stammvater der mittleren Eisenberglinie
Regentschaft:
13
von:
1539
bis:
1575
 
geboren:
27.3.1509 in Eilhausen
verstorben:
15.4.1575 in Eilhausen
Vater:
Philipp III. - Graf von Waldeck-Eisenberg
Mutter:
Adelheid von Hoym
 
Ehegattin:
Anastasia von Schwarzburg
31.03.1526
01.04.1570  
Eheschließung:
06.06.1546 in Waldeck
Kinder:
Katharina spätere
Äbtissin im Kloster Schaaken
20.09.1547 auf Schloß Waldeck
08.07.1613 im Kloster Schaaken
Elisabeth
1550 auf Schloß Waldeck
1552 auf Schloß Waldeck
Anna Erika - spätere
Äbtissin im Kloster Gandersheim
17.09.1551 in Korbach
15.10.1611 in Arolsen
Josias - Graf von Waldeck-Eisenberg
18.03.1554 Eisenberg
06.08.1588 Eisenberg
Adelheid Walpurga
1555 Eisenberg
1570 Eisenberg
Amelia
1558 Eilhausen
1562 Eisenberg
Jutta - spätere Fürstin zu Reuss Obergreiz
12.11.1560 Eisenberg
23.05.1621 in Greiz
Magdalena Lucia
16.02.1562 Eisenberg
10.04.1621 in Arolsen
Wolrad
16.06.1563 in Waldeck
11.11.1587 Anneau
Katharina Anastasia - spätere
Gräfin von Löwenstein-Scharfeneck
20.03.1566 Eisenberg
18.02.1635 in Arolsen


Wolrad II., genannt "der Gelehrte", zweiter Sohn Philipps III. aus erster Ehe, geboren den 27. März 1509.

Er war Stiftsherr zu St. Gereon in Köln von 1520-1544, dankte aber dann zu Gunsten seines Halbbruders Philipp V. ab. Er folgte 1539 seinem Vater in der Regierung und führte 1543 die Reformation in seinem Lande ein. Seine Residenz war das Schloss Eisenberg und er stiftete somit die mittlere Eisenberger Linie.

Nach einem sehr bewegten und inhaltsreichen Leben starb er den 15. April 1575 zu Eilhausen und wurde am 20. April in der St. Kilianskirche zu Korbach beerdigt. Aus seinen Tagebüchern ist ihm von Pastor R. Rocholl eine eigene Schrift gewidmet unter dem Titel: "Graf Wolrad von Waldeck - Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte". Hannover 1865.


Burg und Schloss Eisenberg 1586

 

Burg und Schloss Eisenberg 1586.
(Zeichnung des Oberförsters und Rentschreibers Johann Berthold.)
Auf dem Eisenberg bei Korbach, der Residenz des Grafen Wolrad II. war Trina Bunsen wegen angeblicher Zauberei in Untersuchungshaft.


Im Marburger Staatsarchiv fand vor vielen Jahrzehnten ein Familienforscher unter den Akten des Grafen Wolrad II.von Waldeck, der mit dem Beinamen "der Gelehrte" in die Geschichte eingegangen ist, ein bemerkenswertes Schreiben. Es enthält die "Untertänigste Supplik" (Bittschrift) einer Frau aus Adorf, die der Zauberei angeklagt wurde und in dem gegen sie angestellten Verfahren - auch das gab's in den frühen Jahren der Hexenverfolgung – freigesprochen wurde. Nach ihrer Freilassung aus der Haft wurde sie von ihren Dorfgenossen derartig angefeindet, verleumdet und gemieden, dass sie und die ihrigen weder aus noch ein wussten. In ihrer großen Not und Bedrängnis, sich keiner Schuld bewusst, wendet sie sich mit einem Schreiben, das wohl ein Rechtskundiger für sie aufgesetzt hat, an den.. wohlgeborenen Herrn Wolrad, Grafen und Herrn zu Waldeck, meinen gnädigen Herrn". Der Text des Briefes wird im Folgenden der besseren Lesbarkeit wegen in heutiges Deutsch übertragen:

Wohlgeborener Graf und Herr! Euer Gnaden wissen sich unzweifelhaft in Gnaden zu erinnern, dass Ihr mich im vergangenen Sommer auf dem Eisenberg in Haft setzen ließet, weil ich in den Verdacht gekommen war, eine Zauberin zu sein. Obwohl ich nun wegen der angeborenen Erbsünde und auch wegen eigener Fehler eine arme Sünderin bin, wozu ich mich auch bekenne, so weiß ich mich doch vor Gott, dem die Gedanken aller Herzen offenbar sind, und vor meinem Gewissen solcher bösen Tat unschuldig. Deshalb war ich mir auch ganz sicher, daß Euer Gnaden mich vor denen verschonen würde, die solche schwere Anklage gegen mich vorbrachten und mich von einem solch schmählichen Gerücht nicht diffamieren lassen würde. Es sei denn, diejenigen, die die Beschuldigungen gegen mich armes Weib vorbrachten, könnten sie auch beweisen. Weil ihnen aber das bis in alle Ewigkeit unmöglich ist, wurde ich schließlich vom Gericht für unschuldig erkannt. Da bin ich auf Befehl von Euer Gnaden aus der Haft auf der Burg entlassen worden, und es wurde den Leuten auferlegt und befohlen, fortan ihr Maul zu halten.

Die Verleumdung geht jedoch weiter. Deshalb mag ich Euer Gnaden nicht verhehlen, dass auch meinem Mann, meinen Kindern und unserer Freundschaft dieses Verhalten je länger desto mehr zu Herzen geht. Obwohl ich mich ganz unschuldig weiß, bitte ich Euer Gnaden um Gottes und der Gerechtigkeit willen, mir diejenigen vorzustellen, die mich in solcher Weise verleumden, und zur Rechenschaft zu ziehen. Ich will meinen guten Leumund wieder erhalten, und die Lügenmäuler sollen schamrot werden und zunichte werden. Wenn mir das Euer Gnaden abschlagen müßten und es sich nicht eindeutig klären ließe, wer die Verleumdungen gegen mich in Umlauf bringt, so bitte ich nochmals um Gottes und der Gerechtigkeit willen, Euer Gnaden wollen mir und meinen armen Kindern meiner Unschuld wegen eine gnädige Versicherung geben, dass bei und nach meinem Leben keine Schmähungen gegen mich und gegen sie gerichtet werden dürfen. Denn ich möchte meinen Kindern nach meinem Leben wenn nicht mehr, so doch wenigstens einen guten Namen hinterlassen.

Ich bitte Euer Gnaden um Gottes Willen, mein großes Anliegen zu erfüllen und meine Bitte zu erhören, und bitte um gnädige Antwort. Euer Gnaden befehle ich dem lieben Gott in seine göttliche Gnade zeitlich und ewiglich.

Geschrieben am 11. Oktober 1568
Euer Gnaden demütige Trina, Wilhelm Bunsens Hausfrau zu Adorf.


Es war jedoch nicht festzustellen, ob die Bitten der schwer geprüften Frau von Nutzen gewesen sind und ob es Graf Wolrad gelungen ist, ihr und den ihrigen wieder zu einem ehrlichen Namen zu verhelfen.


© 2005 Frau Dr. Wolkers - Waldeckische Landeszeitung
aus: "Mein WaIdeck" die HeimatbeiIage der Waldeckischen Landeszeitung